Deutsche Weine
Deutscher Wein hat es nicht leicht - und dadurch wieder gut. Eigentlich wachsen die Rebstöcke zu weit im Norden. Dennoch ziehen ihre Wurzeln in verlangsamter Vegetationszeit umso interessantere Mineralien aus unterschiedlichsten Böden. Mit bester Frucht-Säure-Zucker-Balance könnten viel häufiger beste Terroir-Weine entstehen.
Knapp 70.000 Winzerbetriebe bemühen sich erfolgreich auf gut 100.000 ha Rebfläche und produzieren traditionell mehr Weiß- (71%) als Rotweine. Mit 25% aller Rebstöcke ist die im kühleren Deutschland bewährte Sorte Riesling die dominierende und berühmteste. Ihr folgen Müller-Thurgau und der Silvaner; für die immer mehr Rotweinliebhaber werden Spätburgunder- (10%), neuerdings viel Dornfelder- und Portugieser-Reben gekeltert.
Deutsche Weine - Riesling, Spätburgunder und mehr
Schon seit einigen Jahrzenten herrscht Aufbruchsstimmung in allen 13 traditionellen deutschen Anbaugebieten: Ahr, Baden, Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Saale-Unstrut, Sachsen, Württemberg. Jedes ist ein „bestimmtes Anbaugebiet (bA)“. Ein QbA aus regionaltypischer Rebsorte darf „QgU“ (Qualitätswein garantierten Ursprungs) heißen. Die Landweine auf der nächsten Qualitätsstufe werden mit 19 verwirrenden „Landweingebieten“ gekennzeichnet. Manche sind einigermaßen erkennbar als typisch für ihr Anbaugebiet gewählt (wie beim Pfälzischen Landwein), bei manchen aber müssen Weinliebhaber erst dazulernen.
Unpräzise sind auch die 15 „Deutschen Tafelweine“, weil sie über die klassischen Anbaugebietsgrenzen hinaus dennoch Einheitsnamen tragen (wie mehrere mit Etikett „Rhein-Mosel“). Immerhin gibt es in der Oberliga der Qualitätsweine differenzierte Entscheidungshilfe: Bessere „Qualitätsweine bA“ können zu Qualitätsweinen mit Prädikat werden. Prädikatsweine heißen dann mit steigendem Alkohol- und Restzuckergehalt Kabinett, Spätlese oder Auslese. Als Höhepunkt gilt gefroren gekelterter Eiswein, der immer mal wieder 100 Parker-Punkte bekommt.
Inzwischen haben sich weitere Differenzierungen etabliert: Die trockenen Spitzenweine aus renommierten Einzellagen dürfen sich „Selection“ nennen, modernere, harmonisch-trockene, gebietstypische Weine werden als „Classic“ vermarktet. Unzufrieden mit all diesen Klassifikationen vergibt seit 2002 der „Verband Deutscher Prädikats-und Qualitätsweingüter (VDP)“ an seine knapp 200 Mitglieder ein eigenes VDP-Zeichen. Im Rheingau heißen sie Erstes Gewächs, für Mosel Erste Lage und andernorts Großes Gewächs. Damit sind deutsche Winzer auf dem besten Weg, sich ihre eigene „Grand Cru“-Klasse zu schaffen.